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Farbige Hörgeräte für Kinder oder auch Erwachsene – Hilft es dem Hörgeräteträger, ist es chic, oder stelle ich damit die Schwerhörigkeit zur Schau?

Farbige Hörgeräte für Kinder oder auch Erwachsene – Hilft es dem Hörgeräteträger, ist es chic, oder stelle ich damit die Schwerhörigkeit zur Schau?

Farbige Hörgeräte?

Mmh… das ist für Kinder scheinbar „in“ und ich kann es nur bedingt nachvollziehen, dass Eltern das für ihre Kinder so entscheiden. Hörgeräte sollen nicht verschwiegen werden, aber ich finde nicht, dass wir so stark, mit grellen Farben, auf sie aufmerksam machen müssen.

In meinem Beitrag über meine Schulzeit habe ich euch über meine Gefühle und Wahrnehmungen berichtet  und bin über diesen Weg darauf gekommen, noch einmal das Thema „Farbige Hörgeräte für Kinder“ genauer zu betrachten.

Es ist aus meiner Sicht durchaus ein sehr kontroverses Thema.

Ich habe mein erstes Hörgerät ca. 1980 bekommen, damals hatte ich nicht die Option, mir eine Farbe auszusuchen. Es waren klassische, analoge HdO Geräte in Hautfarbe und sehr groß für heutige Verhältnisse.

Ich frage mich, wie es gewesen wäre, wenn man mich als Kind beim Akustiker gefragt hätte, welche Farbe ich für mein Hörgerät haben möchte. Und dann wird mir noch die gesamte Bandbreite von rosa über pink, lila, grün, türkis bis blau, alle Farben, die schön sind, gezeigt. Und dann wird das ganze noch durch viel Glitzer getoppt. Wow! Natürlich entscheide ich mich als Kind für meine Lieblingsfarbe oder womöglich mit einem Glitzerstein.

Ich bin der Meinung, dass ihr Euren Kindern, die schon in die Schule gehen, nicht zwingend einen Gefallen damit tut, die Schwerbehinderung so prominent zu machen. Hörgeräte sollten nach meinem Geschmack der Haarfarbe angepasst sein und so dezent wie möglich. Das Sprachverständnis hat dabei natürlich immer oberste Priorität!

Ich verstehe, dass es die Eltern gut meinen, denn sie glauben, dass ein farbiges Hörgerät ihrem Kind hilft, damit die Farbe die Umwelt und Menschen um ihr Kind herum auf den Hörfehler aufmerksam machen. Das ist auch durchaus nachvollziehbar. Und es gibt Situationen, in denen ein farbiges Hörgerät sicher hilfreich ist, um sich nicht erklären zu müssen. So zum Beispiel hat dann die Verkäuferin beim Bäcker schneller Verständnis dafür, dass der Preis für die Brötchen immer noch nicht verstanden wurde, weil das farbige Hörgerät wie ein Signal „Achtung, ich kann nicht gut hören!“ wirkt.

Es ist total entgegen dem, wie ich aufgewachsen bin. Mit der Hörgeräte Wahl hatten meine Eltern nun gar nicht die Möglichkeit, mir farbige Hörgeräte anzubieten. Somit waren die Hörgeräte zwar sichtbar, weil sie groß waren, aber sie wurden nicht durch eine grelle Farbe „zur Schau“ gestellt.

Nun hatte ich als Mädchen auch immer längere Haare und habe sie auch immer offen getragen. Meisten in Form eines Bob. Meine Mutter hat immer Einfluss auf meine Frisur genommen. Später war es jedoch so, dass ich immer längere Haar haben wollte und sie auch immer offen getragen habe. Ich habe mich mit einem Zopf nie wohl gefühlt. Mich haben die offenen Haare auch nie gestört.

Heute ist es anders. Meine Haare sind lang und ich trage sie fast nur noch zurück. Fühle mich aber auch viel wohler damit, weil ich weiß, dass die Hörgeräte nicht so sehr sichtbar sind wie früher.

Nun, warum möchte ich eigentlich nicht, dass jemand die Hörgeräte sieht?

Und warum empfehle ich den Eltern, die Farbe der Hörgeräte der Haarfarbe anzupassen und so dezent wie möglich auszuwählen?

  1. Hörgeräteträger sollten dann selber mitteilen, dass sie Hörgeräte tragen, wenn sie es als richtig empfinden. Ich glaube, dass es besser ist, dass das Kind selber auf ein Hördefizit in der Situation aufmerksam machen sollte. So sollte es früh lernen, zu sagen: Ich habe das nicht verstanden, können Sie das wiederholen“, oder direkt:“Ich trage Hörgeräte“. Damit lernt es auch später damit umzugehen und das Selbstbewusstsein wird aufgebaut und gestärkt.
  2. Vermeidung von „zu viel“ Rücksichtnahme. Kennt ihr nicht auch die Situation, dass jemand einen Satz gaaaaanz laaangsam, laaaaut und deutlich spricht, damit Du es auch gaaaanz geeeenaaau hörst? Ihr kennst es vielleicht nicht, aber Euer schwerhöriger Partner oder Kind sicher! Ich hasse es, wenn jemand so mit mir redet. Und ich glaube, dass das „zur Schau“ stellen der Hörbehinderung genau dieses Verhalten der Mitmenschen noch verstärkt.
  3. Die „offensichtliche“ Hörbehinderung verunsichert die Gesprächspartner. Es ist in der Natur des Menschen, Fehler zu vermeiden. Ich denke, dass die Sichtbarkeit der Hörgeräte erst einmal bei den Gesprächspartnern für Verunsicherung sorgt. Und leider ist es so, dass dann diese Menschen oft nichts sagen, ihr Gesprächsvolumen reduzieren oder sich jemand anderem zuwenden aus Unsicherheit, einen Fehler zu machen. Oder nicht wissen, wie sie denjenigen mit diesen „farbigen, auffälligen“ Hörgeräten ansprechen sollen.

Ich denke, erst einmal sollten wir mit unsrem Hördefizit die Chance auf eine „normale Behandlung“ haben, dann können wir immer noch selber auf den Gesprächsverlauf Einfluss nehmen. Ich denke darüber hinaus, dass das hilft, dem Kind oder auch erwachsenen Hörgeräteträger einen selbstbewussten Umgang mit den Hörgeräten zu ermöglichen. Kindern hilft es auch, sich auf das Berufsleben vorzubereiten, wo sie sich aller Voraussicht nach nicht mehr für diese farbigen Hörgeräte entscheiden werden.

Auch, wenn wir daran arbeiten, dass Hörgeräte eine höhere Akzeptanz bekommen, denke ich: Ein Hörgerät wird nicht den Status eines Modeaccessoires bekommen, wie beispielsweise eine Brille. Die Akzeptanz von Hörgeräten erhöhen wir nicht durch eine prominente Erscheinung, sondern dadurch, dass sie auch dezent sein können und durch großartige Technik überzeugen.

Ich hoffe, mit meinem Artikel nicht zu polarisieren oder Eltern, die ein farbiges Hörgerät für ihre Kinder gewählt haben, zu verunsichern. Wahrscheinlich gibt es kein richtig oder falsch. Natürlich hilft es einem unsicherem Kind, dadurch dem Umfeld durch ein „Signal“ ein besseres Verständnis für die schlechte Hörsituation zu geben, da es nicht selber über sein Hörverlust sprechen würde.

Und es ist auch Geschmacksache, vielleicht mögt ihr es auch so: Umso bunter, desto besser.

Ich finde auch, dass Phonak das Thema mit der Sky Serie durch die Mix & Match Farben Optionen auch wirklich charmant gelöst hat, solltet ihr es wirklich bunt mögen. Sinn macht es vielleicht auch bei Babies und Kindern, die noch nicht alt genug sind, klar zu kommunizieren, dass sie Hörgeräte tragen.

Ich möchte an dieser Stelle nur meine Meinungen, Gedanken und Gefühle mitteilen und wie ich es in der Vergangenheit erlebt habe.

Meine Empfehlung gilt auch vorwiegend für die schwerhörigen Kinder, die in der Lage sind, den größten Teil ihres Hörverlustes durch die Hörgeräte zu kompensieren.

 

Gibt es etwas, was ich nicht berücksichtigt habe?

Wie steht ihr denn zu diesem Thema?

Dazu habe ich Euch auch noch auf dem „meine Hörgefühle“ Facebook Profil eine Umfrage erstellt!

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