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Gehörlosen Schule oder „normale“ Schule?

Gehörlosen Schule oder „normale“ Schule?

Muss mein schwerhöriges Kind auf eine Gehörlosen Schule oder kann es auf eine „normale“ Schule?
Das sind Fragen, mit denen sich Eltern von schwerhörigen Kindern beschäftigen und welcher Weg ist der richtige?

Meine Schwerhörigkeit wurde festgestellt, als ich zwei Jahre alt war. Mit zwei wurde ich dann auch mit einem Hörgerät versorgt und da mein Hörfehler doch recht spät erkannt wurde, hing auch meine Sprachentwicklung hinterher. Dieses wurde kompensiert durch regelmäßige Besuche bei einer Logopädin in der Uniklinik Lübeck.

Und plötzlich war sie da: Die Zeit zur Einschulung.
Natürlich war es nicht ich, die sich darüber Gedanken machte, sondern meine Eltern.

Meinen Eltern wurde die Gehörlosen Schule in Schleswig empfohlen, es wurde Ihnen von mehreren Seiten nahe gelegt, mich dort auf das Internat zu schicken. Man war der Ansicht, dass ich nicht am normalen Unterricht teilnehmen könnte. Schleswig – 154 km entfernt von meinem Heimatort Ratzeburg.

Meine Eltern sind dann eines Tages mit mir nach Schleswig gefahren, um die Schule dort zu besichtigen. Ich habe die Bilder heute noch vor Augen: Wir wurden rum geführt, man war sehr nett zu uns, uns wurden alle Klassenräume gezeigt, Schüler und Schülerinnen saßen in einem Raum der wie ein Hörsaal aufgebaut war, mit Kopfhörern.
Dabei habe ich mich die ganze Zeit gefragt: Was machen wir überhaupt hier? Warum schauen wir uns das an? Ich wurde nicht aufgeklärt.
Am Ende der Besichtigung brach meine Mutter in Tränen aus. Die gesamte Rückfahrt wurde kaum gesprochen.

Mein Vater hat mit dem Direktor der Ratzeburger Grundschule Kontakt aufgenommen. Nach mehreren Gesprächen wollte man es mit mir versuchen.
Ich bin also mit 6 ganz normal eingeschult worden und dank der bereits vorhandenen Hörgeräte Technik konnte meine Hörschädigung insoweit kompensiert werden, dass ich am normalen Unterricht teilnehmen konnte. Es gab dazu keine weitere Unterstützung, keine sonderpädagogische Maßnahmen, keine Inklusion. Nur eine supertolle Klassenlehrerin, die einfach darauf geachtet hat, dass ich nicht schwatze, mich konzentriere und immer in der ersten oder zweiten Reihe sitze.

Ich wurde ansonsten wie jeder andere auch behandelt und habe eine ganz „normale“ Schullaufbahn hinter mir.
Ich habe mich auch nie „anders“ gefühlt.

Ich bin dafür meinen Eltern sehr sehr dankbar! Und auch den Lehrern, die das so ermöglicht haben.

Nun, ihr könnt Euch fragen, ob es auch die richtige Entscheidung für Euer Kind ist. Sicher ist das eine jeweilige Einzelfall Betrachtung. Vorrangig abhängig vom Grad der Schwerhörigkeit.

Ich kann Euch nur ermutigen, es zumindest zu versuchen, Eurem Kind ein normales Leben zu ermöglichen! Zumindest, wenn ihr das Gefühl habt, dass Euer Kind durch Hörgeräte den Hörverlust ausgleichen kann.

Stellt Euch die Fragen:
– Wie fühlt sich Euer Kind wohl unter „normal“ hörenden?
– Was würde ich von meinen Eltern erwarten, wenn sie für mich entscheiden müssten?
– Welche Perspektiven möchte ich meinem Kind eröffnen?
– Wie belastbar ist mein Kind?

Ich kann Euch nur ermutigen, kämpft für die richtige Entscheidung für Euer Kind. Es wird es Euch danken!

Wie geht es Euch oder Euren Kindern mit Hörgeräten in der Schule? Habt ihr weitere Fragen an mich?

In einem meiner nächsten Beiträge werde ich Euch davon berichten, wie ich mich als Kind mit Hörgeräten in der Schule gefühlt habe, wie ich meine Hörminderung wahrgenommen habe und wie meine Freunde mich mit meinen Hörgeräten in der Schule wahrgenommen haben.

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