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Mein Besuch auf der EUHA 2018, dem Hörgeräteakustiker Kongress in Hannover

Mein Besuch auf der EUHA 2018, dem Hörgeräteakustiker Kongress in Hannover

Ich habe dieses Jahr den EUHA Kongress besucht: Am 19. Oktober 2018 in Hannover.

Die EUHA ist der Internationale Hörgeräteakustiker Kongress. Es ist der weltweit größte Fachkongress der Hörgeräte Branche, hier bilden sich unter anderem die Hörgeräteakustiker fort. Zudem wird aktuelles
Wissen von internationalen Hörgeräte Akustikern, Ingenieuren und Wissenschaftlern aus Forschung, Technik und Hörakustik vorgestellt.

Ich hatte auf der EUHA einen Termin und habe beschlossen, ebenfalls den Kongress zu besuchen und mir diesen aus der Perspektive eines Hörgeräteträgers mal anzuschauen.

Fazit: Super interessant, was sich in der Hörgeräte Entwicklung tut! Damit wird die Akzeptanz von Hörgeräten in allen Altersgruppen weiter steigen! Denke mir aber auch immer wieder, dass die Industrie sich nicht immer genug in die Position des Schwerhörigen und des Hörgeräteträgers hineinversetzt!

Themen, über die ich in diesem Artikel berichten möchte:

  1. Wasserfeste Hörgeräte
  2. Hörgeräte Tracker / Finder
  3. Akkus und wiederaufladbare Hörgeräte
  4. Das Hörgerät als Übersetzer?!
  5. Das Hörgerät als Fitness Tracker?!
  6. Wie werden betroffene Hörgeräteträger bei Weiterentwicklungen eingebunden?
  7. Auf das Sprachverstehen kommt es an!

 

Wasserfeste Hörgeräte

Bei meinem Rundgang bin ich auf eine Hörgeräte Hersteller Firma namens Rion Co. LTD gestoßen. Rion ist ein in Japan ansässiges Unternehmen und produziert unter dem Namen Rionet auch Hörgeräte. Toller Nutzen: Wasserdichte Hörgeräte! Mit den wasserdichten Hörgeräten können Hörgeräteträger, insbesondere Kinder, schwimmen gehen, baden, duschen, jeden Wassersport nachkommen… eine tolle Sache! Ich hätte es mir als Kind gewünscht, meine Hörgeräte im Wasser nicht rausnehmen zu müssen! Aus meiner Sicht ist das Design von anderen Herstellern doch etwas ansprechender und das Wasserschutz lässt die Hörgeräte schon noch sehr viel größer wirken und damit unkomfortabel.

Aus technischer Sicht hinzuzufügen: Neben dem Hörgeräte Finder zeigt die Rionet Smart Control App u.a. den aktuellen Stand der Batterien an, praktisch! Die App ist allerdings ausschließlich über Android erhältlich.

Hörgeräte Finder

Immer mehr Hersteller bewerben den „Hörgeräte Finder“ als zusätzliche Funktion in den neuen Hörgeräten. Bitte was? Eine Hörgeräte „Finder“ Funktion? … Hörgeräte verlegt und dann per App die Hörgeräte orten? Erst einmal musste ich lachen… Sorry, aber wer verliert oder verlegt denn bitte seine Hörgeräte? Das ist mir in knapp 40 Jahren noch nicht passiert. Entschuldigung an dieser Stelle gegenüber allen, die diese Funktion super finden. Und für ältere Leute, die ihre Geräte nicht ständig tragen, ist der Hörgeräte Finder ja doch eine super Sache. Als ich mit meinem Mann drüber sprach meinte er auch: Stell Dir doch mal vor, du duschst und eines der Kinder spielt mit den Hörgeräten und versteckt sie… OOOOK. Also doch ein Anwendungsfall für meine Generation!

Ich bin leider immer schnell skeptisch gegenüber unnötigen Features. Ich möchte einfach vermeiden, dass unnötige Funktionen zu Lasten der Größe der Hörgeräte gehen. Das ist hier scheinbar nicht der Fall. Insofern prima, da es ja scheinbar doch mehr Bedarf für den Finder gibt, als ich dachte!

Akkus und wiederaufladbare Hörgeräte

Das Thema Akku und wiederaufladbare Hörgeräte ist ja nun nicht ganz neu und schon länger ein Thema. Dazu habe ich mich ja auch schon einmal in dem Artikel über die Hörgeräte Trends schon einmal geäußert. Ich bleibe dabei, dass es bald Standard ist, ich mich immer noch für Batterien entscheiden würde, da das Akku das Hörgerät noch größer wirken lässt. Zudem trage ich auch nachts ein Hörgerät … wann kann ich es also aufladen?

Das Hörgerät als Übersetzer?!

Das Hörgerät kann als Übersetzer eingesetzt werden? Ja, Starkey hat es demonstriert! Gehörtes wird über das Hörgerät in Echtzeit übertragen und übersetzt und in der eigenen bzw. festgelegten Sprache wiedergegeben. Einen Film gucken auf Spanisch, ohne Spanisch zu verstehen? Einen Vortrag auf Italienisch hören, ohne Italienisch sprechen zu können? Es soll funktionieren! Ich finde es schon faszinierend!

Mit dem Feature können wir sogar Normalhörende mal neidisch machen.

Das Hörgerät als Fitness Tracker?!

Durch Zufall bin ich in einem Vortrag gelandet von Starkey livio AI. Der Chief Innovation Officer Dave Fabry aus den USA hat den Vortrag gehalten und ich war etwas zwiegespalten zwischen „Begeisterung“ und „Was für ein Quatsch“.  Mein Gedanke: „Wenn ich einen Fitnesstracker brauche, dann doch bitte nicht im Hörgerät. Bitte konzentriert Euch doch auf die Entwicklung im Sprachverstehen, Störgeräuschunterdrückung und Hören in geräuschvoller Umgebung!“

Tja… nun ist auch noch ein Fitness Tracker in dem kleinen, feinen Hörsystem untergebracht. Und es soll viel mehr leisten können als ein Fitness Armband, denn im Ohr ist eine andere Dynamik, die zu messgenaueren Werten führt. Und was ich durchaus nachvollziehen kann: Diese Funktion führt beim Hörgeräteträger dazu, dass er die Geräte gerne trägt und gerade ältere neben dem guten Hören auch noch ein zusätzliches Wohlbefinden genießen, da sie gleichzeitig auch noch mehr auf ihre Fitness achten. Zudem gibt es wohl auch noch einen Motion Detector: Fällt der Träger des Hörgerätes, so kann ein Alarm ausgelöst werden.

Der Gründer von Starkey, Bill Austin, hat zudem noch eine Anekdote erzählt, dass seine Buddys sich gegenseitig darüber informieren, was sie an dem Tag für ihren Körper getan haben und sich so gegenseitig motivieren.

Was ich sehr gut finde an der Idee des Fitness Trackers: Diese Funktion macht das Hörgerät super modern und attraktiv. Ein ganz neuer Nebeneffekt, der die Akzeptanz der Hörgeräte ganz extrem steigert! In allen Altersgruppen! „Hear better, live better!“

Nachgefragt: Geht denn nicht der Tracker zu Lasten andere Funktionen und wird das Gerät damit nicht doch etwas größer? Angeblich nicht!

Wie werden betroffene Hörgeräteträger bei Weiterentwicklungen eingebunden?

Ich komme nicht umhin, mir diese Bemerkungen zu verkneifen. Schlauer wäre es, es zu lassen bzw. nicht darüber zu schreiben. Ich frage mich nur immer wieder mal: Inwieweit werden eigentlich wirklich die Hörgeräteträger, die Betroffenen für die einzelnen Produkte, technischen Entwicklungen und Innovationen berücksichtigt?

Testaussagen zu neuen Techniken für Hören in geräuschvollen Umgebungen werden teilweise nur an Hand von ca. 20 Probanden getroffen. Ist das wirklich ausreichend?

Und was mir auch aufgefallen ist: Am Cochlea Stand habe ich nicht eine einzige Person mit einem Cochlea Implantat gesehen. Gibt es denn keine Betroffenen, die auch im Unternehmen aktiv mitwirken? Nun sind Cochlea Implantate ja noch sehr offensichtlich. Ich habe bei anderen Herstellern bewusst darauf geachtet, ob Hörgeräteträger dabei sind. Es wäre einfach authentisch. Ja, viele Geräte sind sehr dezent. Als Betroffene entdecke ich es dennoch sehr schnell… und ich habe leider nur sehr wenige gesehen! Jedoch tragen viele Akustiker, die den Kongress besucht haben, ein Hörgerät. Das finde ich gut, die können sich sicher sehr gut in die Situation ihres Kunden hineinversetzen.

Auf das Sprachverstehen kommt es an!

Trotz aller Funktionen, die man diskutieren kann, gut finden kann oder auch als überflüssig empfinden kann. Alle Hersteller, wie Signia und Oticon, ReSound oder auch Starkey setzen den Hauptfokus nach wie vor auf das Sprachverstehen. Auch, wenn viel über die ganzen zusätzlichen Features gesprochen wird: Sprachverstehen und bestmögliches Hören in geräuschevoller Umgebung ist und bleibt aus meiner Sicht das, was ein wirklich gutes Hörgerät auszeichnet!

Was habt ihr den für eine Meinung zu den neuen Funktionen im Hörgerät?

Was sollten die Hörgeräte Hersteller aus Eurer Sicht bei der Hörgeräte Entwicklung berücksichtigen?

 

 

2 Comments
  • Avatar
    Ernest Fuhrmann
    Geschrieben am 13:59h, 06 Dezember Antworten

    Ich bin ganz Deiner Meinung. Das Wichtigste an Hörgeräten ist ein gutes Sprachverständnis unter allen Lebensbedingungen – in der Menschenmenge genauso wie im Freien bei Wind und Regen und beim Verstehen via Smartphone, Laptop oder TV-Gerät. Alle anderen Features – auch die Größe – sind für mich zweitrangig.

    Liebe Grüße, Ernest

  • Avatar
    Domingos
    Geschrieben am 15:30h, 07 Dezember Antworten

    Ich möchte das, was Sie gesagt haben zu 100 Prozent unterschreiben: Allgemein sollten die Nutzer von Hilfsmitteln wesentlich stärker in deren Entwicklung involviert werden. Viele Hilfen werden am Nutzer vorbei konzipiert.

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